Hallo zusammen, wir haben seit ca. 3 Wochen eine 6–7 Monate alte Hündin aus Rumänien (vermutlich Terrier/Dackel/Schnauzer-Mix). Sie war davor bereits 3 Monate auf zwei Pflegestellen in Deutschland. Wir wohnen mitten in der Innenstadt einer Urlaubsstadt am See - direkt an einer stark befahrenen Straße, wodurch selbst Pipirunden ziemlich reizintensiv sind. Aktuell haben wir vor allem Probleme mit: - starkem Hochfahren abends - Beißen/Zwicken, sodass ich überall kratzspuren und Blaue flecken habe und keinerlei Tipp den es irgendwo gibt klappt (das ist für mich auch das schwierigste Thema) - draußen sehr reizoffen und wenig Orientierung an uns - Hundebegegnungen sind komplett katastrophal (kläffen, jaulen, in die leine springen selbst auf sehr große Distanz) - schlecht selbst zur Ruhe finden - generell schneller Überforderung draußen Wir arbeiten bereits mit einer Hundetrainerin zusammen. Aktuell üben wir vor allem Orientierung, versuchen, viel Ruhe und Struktur reinzubringen und vieles einfach noch zu managen statt zu lösen. Zuhause helfen ihr Kauen, Schleckmatten/Kong und ein begrenzter Ruheplatz ziemlich gut beim Runterfahren - manchmal hilft aber auch nichts wirklich. der Alltag fühlt sich gerade oft ziemlich intensiv an und wir kommen alle (Mensch und Hund) an unsere Grenzen. Da uns ihre schwierige Situation natürlich klar ist und uns auch die kurze Zeit, in der wir sie erst kennenlernen dürfen bewusst ist, würden uns vor allem Erfahrungswerte interessieren: Wann wurde es bei euren reizoffenen/pubertierenden Auslandshunden spürbar besser? Was hat beim Thema Runterfahren und Abendeskalationen geholfen? Wie habt ihr Reaktivität in der Stadt gemanagt? Liebe Grüße
Hallo Lisa, ich habe meine Hündin mit ca. 5-6 Monaten bekommen. Sie kam aus Kreta. Heute ist sie knapp 3 Jahre alt und wir haben nach wie vor einige „Baustellen“ aber sie hat sich richtig gut entwickelt. Es dauerte aber einige Monate bis sie etwas ruhiger wurde (nach jeder Läufigkeit wurde sie bisschen reifer). Jetzt weiß ich, dass ich mit der Hundeschule (Welpengruppe wo viel gespielt wurde) viel zu früh angefangen habe, nämlich schon nach 2 Wochen. Das bereue ich bis heute, da sie mit jedem Hund nur spielen will, daher sind die Hundebegegnungen unserer schwierigstes Thema. Sie war von Anfang an reizempfindlich und nach außen orientiert. Ich hätte mir gewünscht, dass mir jemand damals gesagt hätte, dass man zuerst an der Orientierung arbeiten soll bevor man was anderes trainiert. Zwicken / Beißen war anfangs auch großes Problem bei uns. Ich habe immer laut geschrien und das Spiel sofort unterbrochen. Nach ein paar Tagen war das erledigt. Was ich heute auch anders machen würde, einfach jeden Tag dieselbe „langweilige“ Gassirunde so lange bis es reibungslos funktioniert (Orientierung an Menschen etc.). Ich habe den Fehler gemacht und viel Abwechslung geboten (Wald und verschiedene Gassistrecken). Das war leider kontraproduktiv, da sie immer mehr überfordert war. Aktuell habe ich eine gute Trainerin vor Ort gefunden und wir beschäftigen uns in erster Linie mit Leinenführigkeit, was die Orientierung verbessert. Anfangs lief es nicht so gut aber jetzt machen wir endlich Fortschritte. Sie nimmt sogar öfters Kontakt auf, wenn sie im Freizeitmodus ist (Geschirr), und zieht nicht so extrem wie bisher. Jeden Kontakt belohne ich mit Makerwort und Leckerli. Es klappt in reizarmen Umgebung schon ganz gut, aber leider nicht überall ;-) Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber wir lieben die verrückte Maus über alles, daher Augen zu und durch. Es ist gut, dass ihr mit einer Trainerin arbeitet. Gibt euch aber bisschen Zeit, lass sie bei Euch richtig ankommen und eine Beziehung aufbauen. Ich wünsche Euch viel Kraft, Gefuld und natürlich Erfolg :-) Liebe Grüße, Sylwia & Jemma
Das klingt exakt nach meiner Tierschutzhündin. Ich habe sie mit 4 Monaten bekommen. Mittlerweile ist sie fast 3 Jahre alt. Ich hatte extrem viele Probleme und war bei vier Trainern, habe viele Webinare und Seminare besucht, viel gelesen und trotzdem haben wir noch immer unsere Päckchen. Das Zwicken und starke Hochfahren am Abend (sie ist wie eine Bekloppte durch das Wohnzimmer gerannt und mir teilweise auch ins Gesicht gesprungen, wenn ich im Weg saß) macht sie mittlerweile nicht mehr. Und wenn sie doch mal überdreht, bekomme ich durch Ansprache / Rückruf und ein Kommando, wie Sitz oder aber durch den Abbruch + Stimmungskontrolle gut heruntergefahren. Ich habe auch gemerkt, dass ihre Ausbrüche weniger wurden nachdem sie, nach anfänglichem Schleppleinentraining einfach auch mal richtig übers Feld rennen konnte. Das macht sie heute noch gern. Ich mache immer viel Kopfarbeit und Nasenarbeit zur Auslastung. Aber meine Hündin ist auch sehr agil. Und ich glaube, wenn man keinen Hundebuddy hat, ist es auch wichtig die Energie irgendwo raus zu lassen. Dabei bleibt sie aber immer in meinem Umkreis. (Aufmerksamkeit habe ich von Beginn an trainiert und jeden Blick zu mir belohnt). Außerdem hat mir das Deckentraining und diverse Rituale am Abend geholfen. Aber die Aggression gegebenüber Hunden (teilweise auch gegebenüber fremden Menschen) zeigt sie heute noch. Ich belohne sie auf Entfernung, wenn wir Hunde sehen und sie bei Ansprache mit mir mitgeht. Diese habe ich wie gesagt trainiert und mein Hund ist zum Glück sehr futteraffin. Die Leine lasse ich dabei immer lang, und gehe einfach weiter. Sie kommt dann oft hinter mir her, anstatt sich fürs Pöbeln zu entscheiden. In der Hundeschule kann sie nach zweieinhalb Jahren auch gut mit anderen Hunden sein ohne auszulösen. Ich gehe dort regelmäßig in Gruppenstunden für den Hundekontakt. Mittlerweile gibt es sogar zwei Hunde mit denen ich auch zusammen Gassi gehen kann. Aber treffe ich allein auf einen Hund, eskaliert es immer, insbesondere in ihrem Territorium. Sie trägt auch seit sie sechs Monate alt ist, einen Maulkorb. Leider kann ich da also keine Tipps geben, außer bei den Ausrastern Ruhe auszustrahlen und nicht noch mehr Feuer reinzugeben. Sie ist auch sobald etwas passiert oder etwas in Sicht kommt direkt abgelenkt und da klappt die Aufmerksamkeit dann nicht mehr so gut. Und mal kann ich an Fahrradfahrern vorbei gehen, mal will sie nach vorn schießen.. In einem Seminar "chill mal" wurde mir dann eine Ruheübung gezeigt, die ich in den Webinaren von der Doguniversity auch gesehen habe. Ich stelle mich dabei im ausreichendem Abstand vom Reiz entfernt hin, z.B auf einen Parkplatz, greife ins Halsband, stehe einfach nur an seiner Seite und bleibe ruhig. Ich lasse sie die Reize aus der Entfernung aufnehmen und bleibe selbst ruhig. Dabei lasse ich sie aber auch nicht aus der Situation. Das sollte man am besten so lange machen, bis der Hund entspannt ist. Da oft ein Reiz um die Ecke kommt, ist das aber gar nicht so einfach. Es braucht eben seine Zeit. Alles in allem ist es leider auch in meinem Alltag nach den drei Jahren noch sehr anstrengend und auch mit Management verbunden. Über die Jahre haben meine Hündin und ich aber auch eine tiefe Verbindung aufgebaut, sodass ich sie trotz allem nicht mehr missen möchte :) Ich drücke dir die Daumen, dass es bei euch bald richtig gut läuft 🙏😊
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