Hallo an alle, mein sieben Monate alter Rüde hat seit ca. einem Monat eine Unsicherheitsphase. So hat er sich auf einmal vor Kleinigkeiten, wie einem Handtuch auf dem Boden oder einem riesen Pferdeapfel, gegruselt und die Dinge verbellt. Dies ist mittlerweile wieder besser geworden. Zur gleichen Zeit begann er in Hundebegegnungen unsicher zu werden. Während er ab dann anfangs nur manche Hunde angebellt hat, bellt er seit ein paar Tagen eigentlich jeden Hund an. Ich würde sagen, mein Hund ist gut sozialisiert. So war er mit einem Alter von neun bis 16 Wochen in der Welpenspielgruppe. Auch hat er regelmäßig mit einer gleichaltrigen Hündin sowie erwachsenen Hunden von Freunden gespielt oder war mit diesen spazieren. Hundebegegnungen habe ich seit dem er klein ist immer derart gestaltet, dass ich meinen Hund an der Leine an meine Seite genommen habe, sodass ich zwischen dem fremden und meinen Hund war, und so bin ich dann einfach am anderen Hund vorbei gegangen. Mein Hund hat dabei meist interessiert zum anderen Hund geguckt, ist vorbei gegangen und danach kurz in die Geruchsspur. Jetzt fängt er meist schon an zu bellen, wenn er einen Hund von weitem sieht; erst ist es nur ein kurzes Wuff und wenn wir näher sind, wird es ein Dauerbellen. Er nimmt dabei eine Imponierhaltung ein. Wie ich darauf komme, dass es ein Bellen aus Unsicherheit ist, ist zum einen, weil er dieses Bellen in anderen Unsicherheitssituationen zeigt und zum anderen, weil er schnell den Schwanz einzieht und kurz weggeht, wenn sich der andere Hund ihm nähert. Dies konnte ich zweimal beobachten, einmal im Freilauf bei einem eigentlich bekannten Hund, den er länger nicht gesehen hatte. Da hatte er auch derart reagiert, ist bei Annäherung des anderen Hundes einmal kurz weg, dann aber übergegangen ins Spielen. Das andere Mal hatte ich mich mit den Besitzern der anderen Hunde unterhalten und die Hunde gestreichelt. Er stand dabei bellend neben mir und wenn die Hunde ihre Nase Richtung meinem Hund gemacht haben, ging der Schwanz runter und er ist zurückgewichen; direkt darauf fing er dann wieder in Imponierhaltung an zu bellen und näherte sich wieder. In Kontakt mit den anderen Hunden zu gehen, hat er sich konsequent aber nicht getraut. Dass ich Kontakt mit den Hunden hatte, hat ihm folglich nicht geholfen. Was ich ansonsten in der letzten Zeit ausprobiert habe ist folgendes: Ich habe probiert, ihn mehr auf mich zu fokussieren, in dem ich bei der ersten Sichtung des anderen Hundes und auf dem Weg dorthin immer wieder die ziehende Hilfe zur abgewandten Richtung vom Reiz angewendet habe. Er kommt dann auch beschwichtigend zu mir und lässt sich kurz streicheln oder bekommt ein Leckerli, dreht sich dann aber auch schnell wieder zum anderen Hund hin und bellt wieder. Ich habe auch schon einmal ein Zerrspiel mit ihm gemacht, wobei er dabei stets den anderen Hund im Blick hat und zwischendurch auch trotz etwas im Mund wufft. Die Viereck-Übung von Nicole habe ich auch schon probiert. Da lässt er sich schwer von mir stoppen bzw. tritt immer ein Schritt zur Seite, weil ich ihm dann beim Stoppen die Sicht auf den Reiz versperre. Wenn ich ihn dann nach seinem seitlichen Ausweichen dort stehen lasse, bellt er ununterbrochen bis der Hund an uns vorbei ist und wir weiter gehen oder wenn ich ihn länger stehen lasse guckt er diesem noch etwas bellend hinterher. Wenn ich auf sein Ausweichen hin weiter körperlich „wegschiebe“, bellt er mich knatschig an und versucht wieder auszuweichen. Ich war mir dann unsicher, „bis wohin“ ich ihn weiter „wegschieben“ soll, auch weil seine Erregung dann weiter hoch ging. Von Nicoles Werkzeugkoffer habe ich auch die Co-Regulation mit dem Griff ins Halsband und die Muskeln versucht. Da haben wir uns dann an den Rand gestellt und darauf gewartet, dass der andere Hund auf uns zu kommt und vorbei geht. Er bellt dabei weiter die Hunde an, wobei ich ihn von der Erregung her aber nicht ganz so ausgeprägt empfinde. Mit Stellvertreterkonflikten funktioniert die Viereck-Übung oder das körperliche Stoppen übrigens sehr gut. Die Co-Regulation kennt er auch; die habe ich schon in anderen Situationen, wo er etwas Gruseliges gesehen hat, erfolgreich angewandt. Wie soll ich nun weiter vorgehen? Ich habe ja erstmal einiges ausprobiert und würde mich nun gern auf die erfolgsversprechendste Strategie konzentrieren wollen. Dabei bin ich auch für neue Ideen offen, wie ich ihm am besten helfen und das Bellen in den Griff bekommen kann. Vielen Dank und liebe Grüße :)
Hallo Hannah, wie in deinem Beitrag geschildert, hast du ja bereits einige Übungen aus verschiedenen Kursen ausprobiert. An die Reize (hier andere Hunde) solltest du dich und deinen Hund ganz kleinschrittig herantasten. Wenn z. Bsp. die Viereck-Übung mit Stellvertreterkonflikten perfekt funktioniert, kannst du die Reize in Form von weiteren Stellvertretern vom Anspruch her erhöhen. Der Schritt von der Viereckübung ohne Reiz gleich zum fremden Hund wäre hier viel zu groß (wenn ich dich richtig verstanden habe). Probiere es z. Bsp. erstmal mit einem großen Stoffhund, dann mit einem Hund auf großer Distanz, bei der dein Hund noch ruhig bleiben kann, etc.. Erst wenn dein Hund bei einer Übung ruhig und entspannt bleibt, kannst du einen Trainingsschritt weitergehen. Ansonsten muss du wieder einen Schritt im Training zurückgehen. Das Gleiche gilt für die schiebende und ziehende Hilfe. Solche Techniken erfordern auch erst einmal Training, gestellte Situationen und viele Wiederholungen und auch sicherlich Geduld bis du sie im Alltag einsetzen kannst. Liebe Hannah, dein Hund ist zudem gerade in der Pubertät, da vergisst man schon mal das ein oder andere, das man bereits gelernt hatte. Jetzt heißt es, konsequent mit dem Training und der Erziehung am Ball zu bleiben. Trainiere strukturiert und probiere nicht zu viele Dinge in evtl. zu kurzen Abständen aus. Lieber eine Übung sauber aufbauen und erst im Training weitergehen, wenn dein Hund verstanden hat, was du von ihm möchtest. Dann wirst du schon bald die ersten Erfolge sehen. Liebe Grüße Dein Team der Doguniversity
Vielen lieben Dank für die Rückmeldung!
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