Uwe John
30.7.2026 um 17:57Uhr

11 Wochen alte Großpudel-Hündin nach zwei sehr schlechten Begegnungen verunsichert – wie sollen wir jetzt weiter vorgehen?

Hi und Hallo! Unsere Großpudel-Hündin ist 11 Wo chen. Der tägliche Spaziergang ist für uns momentan leider eine ziemlich große Herausforderung. Ich würde gerne eure Einschätzung hören, wie wir jetzt am besten mit ihr weitermachen. Leider ist bereits unser allererster Spaziergang, als sie mit 8 Wochen zu uns gekommen ist, ziemlich missglückt. Wir sind bei uns vor das Haus gegangen und haben uns nett mit unseren Nachbarn unterhalten, einem Paar, das sehr einfühlsam mit ihr umgegangen ist. Sie wollte sich den beiden gerade vorsichtig nähern. Beide haben sich hingehockt und sie war kurz davor, sie zu erreichen, als plötzlich ein Terrier an einer Flexileine auf uns zugeschossen kam und hat sie massiv verbellt hat. Der Besitzer, ein älterer Mann, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal in Sichtweite. Die kleine ist daraufhin vor den Menschen geflohen. Ich habe sie hochgenommen und mich mit ihr vom Hund weggedreht. Der Besitzer kam schließlich dazu, grinste nur und meinte sinngemäß: „Ah ja, mein ...“. Ich war in diesem Moment ehrlich gesagt völlig perplex und bin mit ihr wieder ins Haus gegangen. Seit diesem Tag geht sie kaum selbstständig an der Leine von unserem Grundstück weg. Ich habe mich deshalb schon einige Male mit ihr einfach vor die Tür gesetzt und ihr auch draußen Futter gegeben, ohne überhaupt einen Spaziergang zu verlangen. Wir versuchen, ihr den unmittelbaren Bereich rund um unser Haus wieder positiv zu vermitteln. Interessant ist, dass sie sich außerhalb unseres unmittelbaren Wohnbereichs deutlich anders verhält. Sie ist sicher keine draufgängerische Hündin, aber sie ist dort längst nicht so blockiert und gehemmt wie rund um unser Haus. Wir arbeiten deshalb seit einiger Zeit sehr kleinschrittig daran. Mit viel Geduld, Lob und Leckerli schaffe ich es inzwischen, einige Meter mit ihr von unserem Grundstück wegzugehen. Dabei blickt sie allerdings noch sehr verunsichert in alle Richtungen. Sobald wir etwas weiter vom Haus entfernt sind, taut sie etwas auf. Der Schwanz geht deutlich höher und sie beginnt interessiert ihre Umgebung zu beobachten. Ich hatte deshalb tatsächlich das Gefühl, dass es von Tag zu Tag wieder besser wird. Heute bin ich eine kleine Runde mit ihr gegangen. Sie ist zunächst besser vom Haus weggegangen als bisher. Man merkt aber deutlich, dass sie sich noch nicht wirklich wohlfühlt. Sie kennt inzwischen offenbar den Weg nach Hause sehr gut und zieht entsprechend in diese Richtung. Dann kam leider die nächste Situation. In der Nähe unseres Hauses befindet sich ein Campingplatz. Auf dem Rückweg, kurz vor unserem Haus, haben wir einen Camper mit einem Bullmastiff gesehen. Wir sind bewusst auf die andere Straßenseite gegangen, um möglichst viel Abstand zu schaffen. Trotzdem ging der Bullmastiff massiv in die Leine, knurrte und bellte Rosi an. Der Besitzer musste ihn mit beiden Händen halten. Er reagierte ansonsten nicht wirklich auf die Situation, sondern stand grinsend daneben, während sein Hund sich so aufführte. Jetzt sind wir wieder zu Hause und sie traut sich aktuell sogar in unserem eigenen Garten nicht mehr frei zu bewegen. Den Bullmastiff können wir teilweise bis zu uns hören, wenn er bellt. Die kleine wirkt dadurch momentan auch hier verunsichert und bleibt lieber in unserer Nähe. Seit dem ersten Erlebnis ist sie gegenüber fremden Hunden und teilweise auch Menschen deutlich zurückhaltender geworden. Ich würde sagen ängstlich und lässt sich von keinem berühren. Die zweite Situation heute scheint nun sogar ihre Sicherheit im eigenen Garten beeinträchtigt zu haben. Wir sind sehr bemüht, ihre Erfahrungen durch positive und kontrollierte Begegnungen wieder zu überlagern. Wir hatten beispielsweise bereits ein sehr schönes, moderiertes Treffen mit einem sicheren, souveränen erwachsenen Hund. Das hat gut funktioniert und sie konnte sich dort ganz anders zeigen. Sie ist jetzt 11 Wochen alt und befindet sich natürlich gerade in einer wichtigen Entwicklungsphase. Wir möchten ihr möglichst viele gute Erfahrungen ermöglichen und sie gleichzeitig nicht mit Situationen überfordern, die sie noch nicht bewältigen kann. Deshalb würde mich eure Einschätzung sehr interessieren: Wie würdet ihr jetzt konkret weitermachen? Würdet ihr weiterhin versuchen, jeden Tag kleine Spaziergänge vom Grundstück weg zu machen, oder würdet ihr nach der heutigen Situation zunächst wieder stärker auf positive Erfahrungen direkt rund um Haus und Garten setzen und den eigentlichen Spaziergang reduzieren? Und wie würdet ihr mit solchen unkontrollierten Begegnungen mit fremden Hunden umgehen? Wir können schließlich nicht verhindern, dass uns Hunde begegnen, deren Besitzer ihre Hunde nicht ausreichend kontrollieren. Ich möchte vor allem vermeiden, dass sich diese Erfahrungen bei ihr weiter festsetzen. Gleichzeitig möchte ich sie aber auch nicht durch zu viel Schonung darin bestätigen, dass die Umgebung außerhalb unseres Hauses tatsächlich etwas Bedrohliches ist. Ich bin mittlerweile ehrlich gesagt auch etwas säuerlich. Wir bemühen uns sehr darum, ihr einen guten und sicheren Start ins Leben zu ermöglichen, und müssen nun schon zum zweiten Mal erleben, wie wenig man sich auf andere Hundehalter verlassen kann und wie wenig manche Menschen darüber nachdenken, was ihr Verhalten bei einem jungen Hund auslösen kann.Ich würde deshalb gerne von euch wissen, wie ihr in dieser konkreten Situation mit einem 11 Wochen alten Großpudelwelpen weiter machen würdest. Vielen Dank

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Team
31.7.2026 um 09:58Uhr

Hallo Uwe, ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du ziemlich verärgert über das Verhalten der anderen Hundehalter bist, aber leider wird dies wohl nicht das letzte Mal gewesen sein, dass du dich über solche Hundehalter aufgeregt hast, denn das Verhalten der anderen können wir leider nur gebrenzt beeinflussen und müssen damit umgehen. Die gute Nachricht ist: Das wird auch möglich sein! Am besten ist, wir kümmern uns in erster Linie um unseren Hund und geben ihm eine möglichst gute Führung, auch indem wir sehr vorausschauend spazieren gehen. Was die erste Begegnung angeht, hier hat eine klassische Fehlverknüpfung stattgefunden. In diesem Fall hat euer Welpe die menschliche Begegnung mit dem negativen Erlebnis mit dem Terrier verknüpft. Du solltest dir deshalb aber auch nicht allzu große Sorgen machen. Selbst wenn Rosi in Zukunft noch etwas skeptisch anderen Menschen gegenüber bleibt, ist das gar nicht schlimm. Pudel sind eh etwas kritischer, was den Kontakt zu fremden Menschen angeht und ihr solltet nicht von ihr erwarten oder gar verlangen, dass sie sich von jedem Fremden gerne anfassen lässt. Davor solltet ihr sie sogar schützen und das Anfassen auch mal verhindern („Rosi hat Flöhe oder ansteckenden Husten oder Würmer“ 😉). Ihr scheint ja bereits viele Dinge richtig zu machen, kleinschrittig vorgehen, was die Umgebung in der Nähe eures Hauses betrifft. 👍 Geht in den nächsten ca. 2 Wochen mal wie folgt vor: Meidet die Spaziergänge in der Nähe des Hauses und geht mit Rosi tatsächlich dort spazieren, wo sie sich sicher fühlt und möglichst viele positive Erfahrungen mit anderen Hunden (auch in der Hundeschule) und mit anderen Menschen sammeln kann. Positive Erfahrungen sind in der sozial sensiblen Phase ganz wichtig, aber das macht ihr ja auch bereits schon. Vor der Haustüre könnt ihr Rosi gerne mal ein tolles Leckerchen geben, so wie ihr es auch bereits getan habt. Warum die Spaziergänge in der Nähe des Hause jetzt erst einmal meiden? Es ist gut möglich, dass Rosi die beiden negativen Erfahrungen zwar nicht vergisst, sie aber mit positiven Erlebnissen überlagern kann und nach einiger Zeit die Erlebnisse vor der Haustür gar nicht mehr so sehr in Erinnerung hat. Wichtig wäre auch noch, dass ihr Rosi bitte keinesfalls bemitleidet, wenn so etwas passiert (auch wenn es schwer fällt). Ihr würdet ihre Angst auf diese Weise dann sogar noch verstärken. Bleibt möglichst ruhig und unterstützt sie, in dem ihr Rosi Führung durch „Coolness“ gebt. Dass du bei der Terrier-Begegnung sofort in Haus gegangen bist, war z. Bsp. sehr gut. Lieber Uwe, wie bereits gesagt, solche Erfahrungen sind immer sehr unschön, ich denke aber, dass Rosi diese Erlebnisse bald verarbeitet haben wird und ihr nach einer Weile auch die Spaziergänge entspannt von zu Hause aus starten könnt. Abgesehen von den negativen Erfahrungen kommt es durchaus vor, dass so junge Welpen ihr zu Hause noch nicht so gerne verlassen wollen, auch wegen der vielen olfaktorischen Eindrücke, von denen wir gar nichts mitbekommen, aber unsere Welpen wissen bereits jetzt, dass viele andere Hunde in der Nähe sind und ihre Marken dort hinterlassen. In diesem Sinne: Kopf hoch und und für Rosi eine gute Führungsperson sein. Dann wird sie ganz sicher bald auch selbstbewusster durch Leben gehen. Liebe Grüße Beate vom Team der Doguniversity

Uwe John
31.7.2026 um 10:42Uhr

Woow - vielen Dank für diese sehr ausführliche und fachliche TOP- Antwort. Danke! Ich bin neu hier und hatte schon die Vermutung das wir hier gut aufgehoben sind. Das Abo und auch die Welpenakademie haben sich so sehr gelohnt. Gerade zu Beginn, ist es toll das es die Möglichkeit eines Austausch gibt. Viel Verunsicherung wurde mir in div. Videos genommen. Das ganze Team hier mit den vielen Themen und Spezialisten der Hammer. Eine Bereicherung für die Hundewelt auf dieser Erde.;-) Merci, Danke! Uwe und Rosi

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