Lena
12.1.2026 um 15:39Uhr

Beißerei und Anspringen wird immer schlimmer

Wir sind mit unserem Altdeutschen Schäferhund, 14 Wochen, aktuell sehr überfordert und wissen nicht mehr weiter. Unser größtes Problem ist, dass er uns permanent anspringt – unabhängig von Situation oder Tageszeit. Wir haben bereits vieles ausprobiert, unter anderem konsequentes Ignorieren, Wegdrehen und Arbeiten mit Körpersprache, jedoch ohne nachhaltigen Erfolg. Das Verhalten bleibt bestehen und nimmt eher zu. Zusätzlich wird die Beißerei bzw. Zwickerei immer schlimmer und auch schmerzhafter, was uns große Sorgen bereitet. Besonders in aufgedrehten Momenten zwickt er uns in Arme oder Beine, setzt uns nach und beißt sogar ins Hosenbein, wenn wir versuchen wegzugehen. Auch hier haben wir verschiedene Ansätze ausprobiert: Ignorieren, die Situation verlassen, ein deutliches „Aua“, um ihm zu signalisieren, dass es wehtut, sowie das Anbieten positiver Alternativen (zum Beispiel Spielzeug oder andere erlaubte Beschäftigungen), um sein Verhalten in eine gewünschte Richtung zu lenken. Leider zeigt auch das keine nachhaltige Wirkung. Ein lautes „Aua“ schaukelt die Situation häufig sogar weiter hoch, statt sie zu unterbrechen. Wir haben den Eindruck, dass unser Hund nicht versteht, was wir von ihm wollen. Er wirkt dabei nicht aggressiv, sondern eher überfordert und kommt selbst nicht zur Ruhe. Auch im Haus findet er kaum selbstständig in die Ruhe: Er legt sich nur sehr selten von sich aus hin und schläft kaum eigenständig. Meist müssen wir ihn aktiv an seinem Platz anleinen, damit er überhaupt zur Ruhe kommt. Würden wir das nicht tun, würde er sich im Haus permanent weiter hochschaukeln, immer wieder in Hände oder Kleidung beißen und auch in die Couch beißen. Wenn wir ihn in diesen Situationen nicht beachten oder versuchen ihn zu korrigieren, fängt er an, uns anzubellen und sich zu beschweren. Wir bemühen uns sehr, ihn sinnvoll zu beschäftigen: Täglich machen wir mit ihm Denk- und Beschäftigungsspiele wie zum Beispiel Schnüffelspiele (Schnüffelteppich) und üben regelmäßig Kommandos. Ein großer Teil der Beschäftigung findet aktuell im Haus statt. Spaziergänge finden zwar statt, auch längere Runden, jedoch zeigt sich dabei keine deutliche Verbesserung. Die Beißerei ist weiterhin genauso stark ausgeprägt und tritt vor allem auch während der Spaziergänge auf. Er springt uns unterwegs an und zwickt dabei gezielt in Beine oder Hände. Auch draußen fällt es ihm sehr schwer, zur Ruhe zu kommen. Wir haben daher das Gefühl, dass unser Hund insgesamt unterfordert ist, gleichzeitig aber auch sehr schnell überdreht. Täglich schläft er etwa 16 Stunden, was uns zusätzlich verunsichert, da wir nicht einschätzen können, ob wir ihn richtig auslasten oder ob ihm klare Strukturen und Hilfestellung fehlen. Ein großes Problem ist, wie bereits erwähnt, auch, dass unser Hund immer wieder und sehr ausdauernd in die Couch beißt. Dieses Verhalten zeigt er regelmäßig und hört damit auch nicht von selbst auf. Er beginnt sich zu beschweren oder zu bellen, wenn man versucht, ihn zu korrigieren oder nicht weiter zu beachten. Teilweise wird dann auch in unsere Füße vor lauter Frust gezwickt. Erst wenn wir ihn konsequent an seinen Platz anleinen, kommt er zur Ruhe. Allerdings zeigt das anleinen auch keine erfolgreiche Wirkung, da er danach direkt wieder in die Couch beißt und Unfug macht, wenn man ihn ableint nachdem er zur Ruhe gekommen ist. Wir machen auch ein paar kleine Übungen für die Frustrationstoleranz/Impulskontrolle: Leckerchen auf den Boden legen und er darf es nicht nehmen, warten vor der Fütterung, warten bevor er aus der Haustüre geht, Ball bewegt sich leicht und er darf nicht dem Reiz folgen.

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Team
20.1.2026 um 15:55Uhr

Hallo Lena, ja, auch die Beißhemmung will gelernt werden. Hier gilt: Sobald die Zähne eures Welpen Haut oder Kleidung berühren, hört ihr bitte mit jeder Aktivität auf und geht weg, verlasst dann ruhig auch mal kurz den Raum. Ein Spielabbruch bedeutet für einen Welpen eine nicht zu unterschätzende Maßregelung. Auch ein lauteres Schmerzgeräusch oder Knurren kann hilfreich sein. Der Welpe darf in diesem Moment ruhig merken, dass ihr wirklich "sauer" seid und der Spaß hier zu Ende ist. Sobald er das Beißen einstellt, seid ihr sofort wieder freundlich, damit der Welpe den Unterschied eurer Stimmung auch bemerken kann. Die Ruheübung mit Leine wirkt hier auch oft sehr gut. Wenn ihr Besuch bekommt, soll dieser den Welpen erst einmal ignorieren, es macht auch nichts, wenn der Welpe dann angeleint ist oder in seiner Box mit einem Kauknochen wartet. Ihr solltet versuchen, den Welpen nicht „hochzupushen". Ein Welpe braucht viel Ruhe und Schlaf. Versucht es mal, das wird schon, es dauert manchmal nur einfach etwas länger. Jeder Welpe/Hund hat mal seine wilden "5 Minuten", aber wenn dein Welpe gar nicht zur Ruhe kommt, muss man ihn durchaus mal zur Ruhe zwingen. Neben der Ruheübung kann hier auch eine sog. Hausleine helfen, um den Welpen zu begrenzen. Diese ca. 1,20 m kurze, dünne Leine ohne Schlaufe trägt der Welpe an einem Geschirr zu Hause, so dass du schnell Zugriff auf ihn hast und ihn korrigieren kannst. Dabei lernt der Welpe auch die wichtige Frustrationstoleranz. Probiere es mal aus, mit der Zeit wird sich euer Welpe auch schneller beruhigen. Es ist auch sehr gut, dass ihr euren Welpen ab und an mal auf seinem Platz anleint. Eine positiv verknüpfte Box wäre auch eine gute Lösung. Keine Sorge, wenn ihr die Beißhemmung einmal durchgesetzt habt, wird das Zusammenleben bald entspannter werden. Liebe Grüße Dein Team der Doguniversity

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